Georg Willers, Lebensbeschreibung
und Buch "Ut mien Hollwäger Jungenstiet"

Georg Willers wurde am 19.5.1884 auf Sief sien Willers Hof, als Sohn des Köters Joh. Diedr. Willers und der Anna Elisabeth, geb. Hupens geboren. Die kinderreiche Familie mit relativ kleinem und stark zerstreutem Besitz hatte es nicht leicht zu überleben. Zwei ältere Brüder Georgs wanderten deshalb schon früh nach Amerika aus, und der älteste Bruder war Lehrer. Über seine Kinderzeit berichtet er ausführlich in seiner Hollwäger Jungenstiet. Als er 13 Jahre alt war, unterhielt sich der Hollweger Hauptlehrer Thöle mit dem Vater über Georgs Zukunft und empfahl ihm, Georg Schulmeister werden zu lassen. Der Vater stimmte zu. Mit Georgs Freund Heini Blessen bereitete Thöle die beiden auf das Lehrerseminar in Oldenburg vor. 1899 kam es zur Aufnahmeprüfung, die sie bestanden. Von 1899-1903 besuchte Willers das Lehrerseminar. Mit 19 beendete er es mit der 1. Prüfung für Volksschullehrer.

Von 1903-5 war er Schulmeister in Varrel bei Stuhr/Delmenhorst. Bei einem Jahresgehalt von 700 DM unterrichtete er dort 91 Kinder in einem Klassenraum. 1905 trat er als Einjährig-Freiwilliger ins I. Seebataillon in Kiel ein. 1906-8 war er Volksschullehrer an der sechsklassigen Grodenschule in Heppens/Wilhelmshaven. In Heppens bestand er 1907 die 2. Prüfung für Volksschullehrer. Danach begann eine fünfjährige Wanderzeit ins europäische Ausland. Von 1908-9 arbeitete er an der Deutschen Realschule in Kopenhagen. Von 1909-12 war er tätig am Deutschen Realgymnasium in Lüttich und an der Deutschen Schule in Brüssel. Gleichzeitig war er 1911-12 an der Université de Liège Student für Romanistik und 1911 3 Monate an der London University. Ende 1912 folgte die Prüfung als Mittelschullehrer. 1912 wurde er als Lehrer für neue Sprachen an die Marine-, Ingenieur- und Deckoffizier-Schule in Wilhelmshaven berufen.

Bei Kriegsausbruch 1914 wurde er aktiver Soldat und blieb es bis 1916. Von Okt. bis Dez. 1914 war er als Dolmetscher an die Kommandantur in Antwerpen abkommandiert, wo seine Sprachkenntnisse gebraucht wurden. An mehreren Gefechten in Flandern mußte er teilnehmen, und bei einem dieser Kämpfe wurde er schwer verwundet. Nach mehreren Operationen und monatelangem Krankenlager wurde er allmählich wieder gesund, doch es blieben einige Folgeerscheinungen.

Von 1916-18 war er wieder Marinelehrer in Kiel. Mit Kriegsschluß wurde er bis 1923 auf ein sogenanntes Wartegeld gesetzt, eine Unterstützung für nicht mehr gebrauchte Soldaten. In dieser Zeit bestand er die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen an der Universität Kiel. 1923 promovierte er zum Dr. phil. 1923-26 mußte er sich als "Truppenunterrichtsleiter" bei der Heeresfachschule beim Reiterregiment 18 in Ludwigsburg verdingen. 1926 erhielt Willers eine Stelle als Studienrat am Schiller-Realgymnasium in Stettin, wo er bis 1933 lehrte.

Willers hielt zahlreiche Vorlesungen zur Frage der Demokratie und Völkerversöhnung und veröffentlichte noch im März 1933 einen Aufsatz mit der Überschrift "Wer Hitler wählt, wählt den Krieg". Willers wurde am 1.4.33 als untragbar für den NS-Staat erklärt und als Studienrat amtsenthoben. Er zog sich ins Private zurück und verbrannte z.B. seine Schriftstücke. Die Gestapo überwachte ihn und führte auch Haussuchungen durch. Im November 33 wurde er wieder angestellt, aber strafversetzt nach Köslin, wo er bis 45 blieb. Noch 56jährig wurde er für 2 Jahre als Dolmetscher zum Auslandsnachrichtendienst im Oberkommando der Wehrmacht zur Chiffrier-Abteilung berufen.

Nach dem Zusammenbruch 45 versuchte Willers mit Genehmigung der Russen eine neue deutsche Verwaltung aufzubauen und die hungernde zurückgebliebene Bevölkerung mit Brot zu versorgen, wobei ihm seine russischen Sprachkenntnisse sehr von Nutzen waren. Im Sommer 45 wurde er in die provisorisch gebildete Schulabteilung der meckl.-pommerschen Landesverwaltung berufen. Doch die schwierigen Lebensverhältnisse und seine Familie zogen ihn im November 45 zurück nach Kiel. Er begann in Rendsburg als Studienrat an der Oberschule für Jungen. Am 1.1.49 wurde Willers als Professor für Englisch und Methodik des Englischunterrichts an die Pädagogische Hochschule in Kiel berufen.

Am 1.4.50 erreichte er das Pensionsalter und schied aus dem vollen akademischen Dienst, hielt aber weiter jahrelang Vorlesungen und trat erst 1968 mit 84 Jahren endgültig in den Ruhestand. Am Ende seines über 90jährigen Lebens veröffentlicht Georg Willers in der NWZ seine Hollwäger Jungenstiet, die auch seinem Wunsch entsprechend noch in Buchform erschien (hier bestellbar), allerdings erst nach seinem Tod. Im September 1976, ein halbes Jahr vor jenem, kam er nach Hollwege und wurde begeistert empfangen, als er im überfüllten Gasthof Heinemann auf Plattdeutsch über seine Hollwäger Jungstiet in den nägentiger Joarn sprach.

De Düwel in Hollwäg (um 1830)

In olen Tieten hebbt se in Hollwäg noch väl an’n Düwel glöwt. Eenmal is de Düwel uck bi Nach bi Willers Diederk kamen. Dor is fröher de Hollwäger Kroog wäsen, as Olms üm noch nicht harr’n. Willers Ko sgoll’n Kalv kriegen. Wenn sowat passeer, stunn’n de Nawers ümmer praat. Uck ditmal weern dree Mann kamen, Siefke Willers, Diederk sien Broder, Warns Buur un Wülken Vader. Awer dat Kalf leet up sick töwen. "Dinn lat us man lüttjen Sgaapskopp späl’n", sä Wülken Vader. Willers Moder gung na’n Bett. Dinn gung dat los mit dat Späln. Awer bi lüttjen kreegen se’n drögen Hals. "Ick harr woll Appetit up’n bäten Heet un Sölt", sä een. Willers Vader harr’n Fatt Wittbeer praatstahn. Dat Beer tapp he in Tinnkann’n, un dinn sgütt he dor Sucker to, un dinn sett he de Kann in de Asch bi’t Füer. Junge, wat smeck ähr dat! Na’n Tietlang menn Siefke Willers: "Nu mööt wir dor uck noch’n lüttjen Sluck bi hebben. Lat us man tohoop sgatten." Gansen Buddel Sluck koss sess Groot.

Mit de Tiet gung dat ümmer lustiger to, un man kunn de roten Köpp binah gor nich mehr sehn. De ool Dopplamp, dat weer so’n Brösel, brenn uck nich rech mehr. De ganse Daal weer vull Rook. De Törf weer woll nich rech drög, weeer’n nat Sömmer wäsen. Bilütten wurd’n de Kortenspälers ümmer ievriger un lustiger. Uck dat Sgimpen wurd ümmer luter. Willers Moder kunn öwerhaupt nich slapen van all dat Snacken un Ropen. "Nich vörseggen!" "Kiek mi nich in de Korten!" "Hess nich bedeent!" So gung dat dör’n anner. Toless sünd se anfung’n to singen, so lut as se kunn’n. "Harten Lena, Harten Lena, Harten Lena, mien Deern, Harten Lena, Harten Lena, wat harr ick di gerrn." Mit eenmal is Warns Buur upsprung’n un hett ropen: "De Düwel, de Düwel!" Un Dönner un Tiet, ji glöwt dat nich, dor stunn mit eenmal wat Swartes bi’t Füer. Dat harr veer Been, glöhnige Oogen un’n rote Tung.

De veer tapfern Kortenspälers kreegen’n gräsigen Sgreck. Twee smeeten vör Angst de Stöhl awer’n Kopp un dinn reeten se ut. Willers Vader leep in de Dörns na Moder. Warns Buur suus ut de Sieteldör rut, Siefke Willers kletter mit’n Swung up de Hill un Wilken Vader up’n Balk. Warns Buur besunn sick ünnerwägens un gung waller trögg un keek dör’t Ünnerslagfenster. "Goddverdori!" reep he. He seegh, dat dor gorkien Düwel bi’t Füer stunn. He ticker an’t Fenster. De annern Kortenspälers harrn sick al wunnert, dat de Düwel ähr nicks dee. As se dat Tickern hör’n, kreepen se ut ähr Löcker rut, rünner up de Daal un marken bold, dat se sick verkeeken harrn. Wat weer dat? Swarten Bull! De triesel dor ümmer noch rüm. He weer van sülm up de Welt kamen. "Ji sgoll’n man nich soväl sapen hebben", sä Willers Moder. "Dinn lat us man na Huus gahn", sä Wilken Vader. "Un ick harr jüs so moje Korten", sä Siefke Willers. De hett disse Geschich mien Vader vertellt.

Georg Willers (1884-1977)

De grote Böök

As ick in de Nordwestzeitung wat van’t Westerstäder Schützenfest läs, full mi waller bi, wat doar 1896 in de Nach na’t Schützenfest bi’n grote Böök passeert is. Disse Boom stunn an de Schossee van Hollwäg na Westerstär up de rechte Siet, ungefähr up’n halwen Weg na Halstrup. Ünner den Boom stunn’n Bank. Bi Daag raun sich de Hollwäger un Moorbörger doar’n bäten ut, wenn se na de Stadt weesen weern un sick mööd loopen harrn, un ährn Inkoopsbütel mal’n bäten daal setten wolln. Bi Nach, wenn in Westerstär Mart öller Schützenfest wäsen weer, seet doar awerlang’n Liebespoar. Eenmal hett dat doar Haueree gäwen. Dat weer de Nach na’t Schützenfest 1896. Min Vedder, Dreier sien Diet, achter den ick geern her leep, harr sick’n elektrische Taschenlamp besorgt, de keem domals up, un harr de beiden jungen Leewslüd mitten in de Nach in Gesich lücht, jüs as de Jung sien Bruut up’n Schoot harr. Doar is de junge Deern luut anfung to sgraun, un de junge Keerl is ganz vergrellt wurden un hett Dreier sien Diet de elektrische Lüch ut de Hand haut un tweitrappelt un uck noch den Papierkraag van’n Hals räten.

Bold hebbt se all dree markt, dat se gode Bekannte weern un dat dat am klööksten weer, wenn se sick weller verdrogen un nich darower snacken. As Dreier sien Diet in’t Huus kaamen is, hett he markt, dat he bi de Balgeree uck noch een van sien Papiermanschetten verloren harr. De weer ja nich soveel wert, awer een van de neen "golden" Manschettenknööp wer uck weg. De harr he up’t Schützenfest för fief Groschen köfft. Den annern Daag is he hingahn. Doar hett de schetterige Manschett mit den mojen Knoop ünner de Bank legen. Diet hett sick freit. De Öllern hebbt nichs markt. Een van de dree, de Deern hett Anna heeten, hett mi naaher, as se groot weer, disse Geschichte doch vertellt.

Georg Willers, September 1976

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