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Auswanderer nach Übersee im 19.
und 20. Jahrhundert aus Etwa 1830 begannen, durch Erleichterung der Einwanderungsbedingungen, im größeren Maße die Auswanderungen in die USA. Die Gründe, die die Menschen in ein völlig fremdes Land trieben, waren durch die eigene Umgebung bedingt. Die stetige Zunahme der Bevölkerung auch im Ammerland führte zu einer Verarmung und Vermehrung der bäuerlichen Unterschicht, insbesondere der Heuerleute. Durch das vorherrschende Grunderbrecht, nach dem bei den Hausleuten und Kötern der älteste Sohn die Stelle erbte, war die Zahl der Hofstellen festgelegt und die nachgeborenen Abfindlinge kamen oft auch zu den unteren Schichten. Die Stände des Handels, Handwerks und Gewerbes waren ebenso nur begrenzt aufnahmefähig, so daß gerade aus den unteren Schichten viele Auswanderungswillige kamen. Später wurden diese Menschen z.B. durch Anlegung von großen Moor- und Fehnsiedlungen an der Auswanderung gehindert. Neben Landhunger sind auch einige ausgewandert, die ihr Gewissen durch ein Verbrechen belastet hatten und die Flucht ins Ausland suchten. So sind z.B. zwei Familien in Moorburg ausgewandert, weil der Vater in der einen Familie die Hofstelle auseinandergebracht hatte, und in einer anderen von Morden und zwielichtigen Geschäften berichtet wird. Um 1850 richtete auch ein Arbeiter aus Hollwege, der wegen Diebstahls eine dreijährige Zuchthausstrafe verbüßte, an den Gemeindevorstand die Bitte, ihm zur Auswanderung nach Amerika 45 Rt. zu bewilligen, um dort ein neues Leben anfangen zu können. Die Gemeinde schlug das Gesuch ab, weil er nach Verbüßung seiner Strafe noch 2 Jahre unter Polizeiaufsicht stehe und deshalb keinen Paß bekommen würde. Die wochenlange Überfahrt war mit zermürbenden Anstrengungen verbunden. Die Ammerländer Auswanderer sind fast ausschließlich in den Häfen Baltimore, New York und New Orleans von Bord gegangen. Im Hafen von New York war die dortige Insel Ellis Island eine große Einreisekontrollstelle. Darauf folgte die schwere Reise ins Binnenland, wohl dem der Verwandte oder Bekannte in den USA hatte. Der Staat Iowa war ein großes Aufnahmeland für Ammerländer Auswanderer. Allein aus unseren Dörfern sind wenigstens 19 Personen zunächst dorthin gegangen. Die Auswanderer wurden z.B. in Iowa zunächst Arbeiter auf den Farmen und hatten selbst oft nach 30-35 Jahren eine eigene. Einige Nachkommen der ersten Siedler gingen in die Städte und brachten es zu beachtlichen Stellungen. Vor allem in der Zeit nach der Jahrhundertwende fanden viele schon nach wenigen Jahren feste und verhältnismäßig gut bezahlte Arbeitsplätze. Seit etwa 1900 vollzog sich in der ganzen Auswanderung ein Wandel zum Besseren was die Überfahrt, Unterkunft und die Eingewöhnung in der neuen Heimat betraf. 1887 wanderte der 16jährige Diedrich Willers nach Nebraska aus. Zu seinem 96. Geburtstag in den Staaten schrieb der Ammerländer: "En Butenhollwäger ward an 18. November 96 Johr. Dat is Willers Diet, de nu in de Staaten, in Bronaugh, Missouri, läwt. Up de Köterhörn in Hollwäg is he 1871 up de Welt kamen. Sien Vadder heet ok Diederk. As dor upless sess Kinner weeren un de Buuren dat man heel trorig gung, wanner de junge Diederk ut na de Staaten. Dor in "Amerika" har de Fent sick bold soväl öwersport, dat he sickn groote Flaag Land kopen kunn. En hölten Hus boe he sick sülben. Eers waan he dor alleen in, man dat Ätenkaken gefull üm nich. 1897 - dat weer ok inn Novembermaand - as de Olen in Hollwäg mit de Kinner bit Füür seeten, gung mit eens de Grootdör apen. "Ick bün Diederk ut Amerika", sä dorn Keerl. Wat weer datn Freid! Am meisten hög sick sin Moder. Elker Abend geew dat wat Nees to vertelln. Upless gung Diederk sabends faken upn Sträk, un bold keem dat rut: He harrn Bruut! Se weern Nabers Deern, Hagens Leentjen, de kenn he ut sien Schooltied. Sien Süster Anna harr dat vörher trechsnackt. Up Kaisers Geburtstag, ann 27. Januor 1898, geew dat upn Hollwäg en groten Hög. Jedeneen kunn soväl "Heet un sööt" un Sluck drinken, as he man rünner kriegen kunn. Dat ganze Dörp weer duun. In de Staaten kreegen de beiden Hollwäger en ganzen Koppel Kinner. Tokamen Johr, ann 27. Januar, könt Willers Diet un sien Leentjen Gnadenhög fiern, denn sünd de beiden söbentig Johr binanner. Is dat nichn heelen Sett?" Die Gnadenhochzeit fand nicht statt, da Diedr. Willers am 1. Dez. 1967 in einem Pflegeheim nach steigenden Altersbeschwerden starb. Die Verbindungen der Ausgewanderten zur alten Heimat brachen teilweise ab, doch viele hielten und halten noch Kontakt auch nach Generationen und fuhren vereinzelt zurück ins Land der Vorfahren zu Besuch. Umgekehrt fanden auch Besuche statt. Meistens wurde auch Kontakt über Briefverkehr gehalten, in dem häufig über die Lebensumstände, Einkünfte/Ernte und Verwandtschaft berichtet wurde. Wie z.B. im folgenden Brief von Fred Oeltjen an die Hollweger Verwandten: Platte Centre, Platte Co. Nebr. 1896 Oct. 10. Lieber Onkel, Tante und sonstige Angehörige! Da ich in so langer Zeit nichts mehr von Euch und Deutschland gehört habe so nehme ich die Feder Zur Hand um Euch ein Lebenszeichen zu schicken. Ich bin noch gesund und munter, sowie auch Johann und Gerhard und hoffen daßelbe auch von Euch. Von Heinrich habe ich in zwei Jahre nichts mehr gehört, ob er hier noch in Amerika ist oder ist er schon wieder in Deutschland. Er war, als er zum letzten male schrieb, in New York, ich habe seitdem noch nichts wieder gehört. Im Uebrigen sind die Zeiten hier augenblicklich ziemlich schlecht. Schweine kosten hier jetzt 2.60 per 100 Pfund. Pferde von 25-75 Dollar das Stück, sind übrigens kaum verkäuflich, nur Rindvieh erzielt ziemlich gute Preise magere 2-3jährige Ochsen und Milchkühe werden mit 25-35 Dollar das Stück bezahlt. Die Haferernte ist schlecht ausgefallen ungefähr zwei fünftel von einer Durchschnittsernte, Weizen ist etwas besser aber alles hat so drückende Preise, daß es sich kaum lohnt, etwas aufzuziehen. Die Maisernte ist die reichste die wir, so lange wie ich hier bin, gehabt haben, es kostet aber auch blos 10 cent per Büschel (56 Pfund). Wir haben hier ein furchtbar naßen Sommer gehabt, die meisten niedrigen Landstreifen waren alle unter Wasser, wovon viel Holmfrucht und Mais ersoffen ist. Meinem Nachbar sind allein 50 Acre (200 Scheffelsaat) mit Weizen und auch so viel Hafer zu Grunde gegangen. Wenn das hier noch lange so bleibt, dann fängt hier bald die Auswanderung an anstatt die Einwanderung. Ich werde die nächste Zeit eine Anzahl hiesige Cataloguen von Maschinen herschiken damit Ihr Euch eine Vorstellung von die Maschinen machen die hier gebraucht werden, und vielleicht daß ich bald mal selbst komme. Schreibt bald mal wieder aber einen recht langen Brief und reicht viele Neuigkeiten. Grüßt alle Bekannte von mir insbesondere Sophie, Helene und Marie und sagt Ihnen, sie sollen auch mal schreiben, Papier und Zeit sind ja nicht so kostbar. Grüße Frau Hobbie und Frau A. von mir und August und Sophie. Hiermit muß ich schließen mit einem herzlichen Gruße an Euch Alle Euer Fred Oeltjen. Wat makt Anton sien Died? Über die Auswanderung einiger Mitglieder der Familie Oeltjen und ihre Kontakaufnahme zu diesen berichtet Erika Hundeling geb. Oeltjen: "Im Sommer 1956 nahm Sophie Hardessen geborene Oeltjen aus Ogallala, Nebraska (USA) Kontakt mit ihren Verwandten Fritz Oeltjen in Hollwege auf. Sie sei 1902 mit der "Kaiser Wilhelm" nach Amerika ausgewandert nachdem ihre fünf Brüder dort zum Teil schon gesiedelt hatten, jegliche Beziehung war durch den Ersten Weltkrieg abgebrochen. So begann ich Nachforschungen anzustellen, hier und da erinnerte sich ein alter Hollweger noch an die Familie des Gerhard Oeltjen in Moorburg und durch regen Briefwechsel mit Sophie wuchs die Neugier auf das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Am 6. August 1960 wanderte ich nach Nebraska aus, um Land und Leute kennenzulernen. Nur mit zwei kleinen Koffern und 50 $ in bar schiffte ich mich in Bremerhaven ein und erreichte nach 10 Tagen New York. Mutterseelenallein, kaum der englischen Sprache mächtig, gelangte ich per Taxi zur "Central Station" und in zwei Nächten und einem Tag Zugfahrt mit der alten Union Pacific Railroad kam ich schließlich in Ogallala, Nebraska an. Sophie, 74 Jahre alt war dann für zwei Jahre meine Kontaktperson und Quelle meiner Oeltjen Familienforschungen. In vielen Gesprächen, Besuchen bekam die Geschichte der Kinder des Gerhard Oeltjen aus Moorburg Konturen. Joh. Gerhard Oeltjen, Bruder von J. Friedr. Oeltjen zu Hollwege, hatte 1869 seinen Erbteil von 6500 Reichstaler in Bar ausgezahlt bekommen. Zunächst wohnte er in Hollwege, dann kaufte er die Schnupperstelle (heute Oltmanns in Moorburg). Aus 1. Ehe stammte der Sohn Carl Friedr., aus 2. Ehe sechs weitere Kinder. Durch Mißwirtschaft und Trunksucht verschuldete er sich derart, daß sein Bruder Joh. Friedr. die Hofstelle 1887 kaufte, um der Familie eine Bleibe zu erhalten. Auf Grund der katastrophalen Verhältnisse im Elternhaus wanderten Carl Friedr. und ein Bruder -erst 16jährig- mit einem Bekannten (Reins) aus. 1889 ist Gerh. Oeltjen gestorben (Selbstmord), die minderjährigen Kinder wuchsen in Hollwege bei Onkel und Tante auf und besuchten dort die Schule. 1902 wanderte auch Sophie als letzte der Geschwister nach den USA aus. Sie arbeitete zunächst als Hausmädchen, in Columbus, Nebr. Nach der Heirat mit Otto Hardessen, Tischler aus Glückstadt, betrieben sie ein Droschgen-Fuhrunternehmen mit Pension und siedelten 1915 nach Brule in den Westen Nebraskas. Nach zwei Mißernten waren sie fast am Ende; durch Sophies Tatkraft, sie begann eine Kückenbrüterei, konnten sie die Farm erhalten und sogar vergrößern. Im Buch "Who is who in Nebraska" wird Sophie Hardessen erwähnt. Sie hatte 1916 die einzige Brüterei im Landkreis, mit einer jährlichen Kückenaufzucht von 40000 Stück. Für ihre Vedienste wurde sie von der Universität von Nebraska ausgezeichnet. Die Farm in Brule wird heute vom Enkel John Hardessen bewirtschaftet. Carl Friedr. (Fred) Oeltjen verkaufte seine Farm 1916 und wurde Generalvertreter für Mc. Cormick Landmaschinen, er besuchte Hollwege mehrere Male vor dem Ersten Weltkrieg. Johann (John), Gerhard (Gerd), Wilhelm (Bill) haben im Osten des Staates Nebraska Land erworben und Farmen von beträchtlicher Größe besessen. Johns Farm wurde vom ältesten Sohn verkauft, Kinder, Enkel und Urenkel haben zum Teil technische Berufe erlernt. Gerhards Farm wurde vom Sohn Clarence weiter bewirtschaftet, der aus Altersgründen diese 1990 verkaufte. Gerhards Enkel Yarrett Oeltjen ist heute Dekan der juristischen Fakultät an der Universität in Tallahassee, Florida, ein Urenkel ist Dr. der Medizin. Wilhelms Farm wurde durch Landzukauf eine der größten in der Gegend. Enkel Bill hat ein modernes Unternehmen mit 360 acres und Pachtland mit 5000 Mastrinder jährlich, und ist beteiligt an einem Flüssigdüngerunternehmen. Urenkel Boyd ist seit 1990 im Familienbetrieb tätig, nunmehr in der vierten Generation. Carl Friedrichs Sohn Walter (85 J.) lebt heute in Kensington Maryland, er war als Ingenieur bei der Nationalen Luftfahrtgesellschaft beschäftigt. Einer seiner Enkel Dr. Frederick John Oeltjen ist heute medizinischer Psychologe und Gerichtspsychologe in Potomac, Maryland. August Oeltjen blieb unverheiratet und lebte und arbeitete bei seinem Bruder Bill bis zu seinem Tode. Die Nachkommen der sechs Geschwister Oeltjen veranstalten alle 4-5 Jahre ein Sippentreffen in Nebraska." In Notzeiten wie den beiden Weltkriegen zeigten die Ausgewanderten Solidarität mit der alten Heimat und drückten dies in ihren Briefen aus und schickten auch nach dem Zweiten Weltkrieg Pakete mit lebenswichtigen Dingen. Am Ende noch eine Liste mit Auswanderern, die bestimmt nicht vollständig ist, da insbesondere aus der Anfangszeit keine Unterlagen vorliegen, bzw. überhaupt nie erstellt wurden.
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