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Oltmanns in Edewecht

Familie Oltmanns in Hollwege

Gastwirtschaft Oltmanns um 1900 (vor dem Umbau von 1906)


Geschichte der Gastwirtschaft und des Gemischtwarenhandels Oltmanns (Olms Kröger) in Hollwege

Kurz vor 1815 gründete die Familie Hobbieoltmanns, auch Oltmanns genannt, eine Gastwirtschaft in ihrer alten Köterei (1607 Sivke Meinen, Köterei auch Egeshusen genannt), zu der auch eine Bierbrauerei kam. 1825 hieß es, wurde das Fabrikat dieser Brauerei, welche ziemlich stark betrieben wurde, teils bei kleinen Mengen aus dem Haus verkauft und teils an die Wirte der nächsten Umgegend abgesetzt. 1825 gab es insgesamt 10 Bierbrauereien in der Gemeinde Westerstede. Dierk Hobbieoltmanns hat 1824 mit Renke Luks die Hofstelle Siems am Schnapp gekauft, dort stand ein alter Speicher, der drei Stockwerk hoch und weit höher gewesen sein soll als das jetzige Wohnhaus der Familie Oltmanns und so scherzweise Hollweger Glockenturm genannt wurde. In jenem Spieker soll die Brauerei betrieben worden sein, höchstens jedoch bis 1844.

1836 starb der Hoferbe Joh. Diedr., der mit der Gastwirtstocher Anna Eilers aus Westerstede verheiratet war, ohne Nachkommen. 1837 heiratete diese den Sohn des gleichnamigen Gastwirts Eilert Oltmanns aus Edewecht. Jener stammte noch aus einer Heuersfamilie und gründete in Edewecht Gaststätte und Kornbrennerei am Markt, dessen ältester Sohn die Ziegelei in Jeddeloh. Nach dem Tod von Dierk Hobbieoltmanns 1845 erbte Anna Eilers. 1846 kaufte Eilert Oltmanns die Köterei Kleeßenrenken und beantragte so die Verlegung der Wirtschaft mit Hökerei und die Konzession auf seinen Namen. Die Regierung gestatte dies zwar, aber wollte nur eine Schenkwirtschaft erlauben, d.h. also Gäste durften des Nachts nicht beherbergt werden, da es z.B in einem Nebendorfe wie Hollwege wegen der Handhabung der Fremdenpolizei usw. nicht empfehlenswert sei und dort eine Gastwirtschaft (Oeltjen) genügen würde.

Neben der Wirtschaft wurde insbesondere eine Hökerei betrieben. Außer der Dorfbevölkerung kauften hier auch die Hollweger Armen ein. Diese zahlten nicht, sondern Eilert Oltmanns mußte sich das Geld von der Armenkasse in Westerstede zurückerstatten lassen, davon zeugen viele Armenrechnungen. 1862 nahm Eilert Oltmanns beispielsweise 120 Rt. aus der Wirtschaft ein, für Wirtschaft und Handel aber 400 Rt. Niermeyer (heute Heinemann) insgesamt 125 Rt. und Renke Luks aus Moorburg z.B. für Posthalterei, Hökerei und Wirtschaft 420 Rt. Führende Gaststätten in Westerstede wie Busch nahmen etwa 700 Rt. ein.

Eilert Oltmanns betätigte sich auch auf anderen unternehmerischen Feldern, so war er Schuljurat, Kurator bei Konkursen und kaufte einige Ländereien und Kötereien, wodurch er 1870, als er im Alter von 60 Jahren starb, sein Erbe gleichmäßig an seine vier Söhne verteilen konnte, die auch alle eine Hofstelle erbten. Die Gastwirtschaft erbte der jüngste Sohn Chr. Georg (1856-1903), über welche die zweite Frau Wübke Helene geb. Oltmer (1825-1903) den Nießbrauch behielt.

Seit 1889 liegen einige Rechnungsbücher für die Gastwirtschaft und Handlung vor, die ein Bild vom Produktangebot liefern. So wurde hier fast alles verkauft was zum Leben benötigt wurde (zur Gastwirtschaft:) Genever, Wein (Lebensmittel:) Brot, Melis (Zucker), Mehl (Haushaltsartikel:) Papier, Nägel, Petroleum, Holzschuhe, Seife, Töpfe, Gläser, Lampen, Uhren, Kinderwagen, Postkarten, Gesangbücher, (Landwirtschaftliche Arbeitsgeräte:) Spaten, Schaufel, Stiele, Sensenbäume, (Dünger und Futtermittel:) Salpeter oder Kainit, Futtermehl, (Saatgut für) Spörgel (Knötterich), Bohnen, Roggen, Weizen, Hafer, Raygras, Timothe, Rot- und Weißklee, auch Vieh, Steine oder Reet u.v.m.

Dementsprechend gab es Verbindungen zu Großhändlern, die die Produkte herstellten oder besorgen konnten z.B.: Holzhandlung, Senffabrik, Weinhändler in Varel, Porzellanwarenhandlung in Emden, Bäckerei Meynen aus Westerstede. Georg Oltmanns kaufte auch Schinken auf, den er zum Teil mit eingekauften Waren über eine längere Zeit verrechnete und selbst weiterverkaufte, z.B. nach Zwischenahn. Nach einer Eintragung in den Geschäftsbüchern lieferte er am 1. Juli 1895, dem Tag als der Molkereibetrieb in Westerstede aufgenommen wurde, dorthin 40 Liter Milch. Für den Neubau der Schule 1897 verkaufte er Pakete mit Drahtnägeln, Rohrnägel und Steine.

Es fand auch ein reger Handel nach außerhalb mit Butter statt, die oft einen weiten Weg zum Käufer zurücklegte, die gelegentlich von weit weg kamen aus Oldenburg, Bremen, Cuxhaven, Dessau, Berlin, Hadersleben, Wandsbeck, Lübeck, Hamburg, Meisdorf, Dresden, Beutlingen, Bette, Bochum, Abbenrode, Barmen, Köthen, Reichenbach (Schlesien), Aubeldrack, Bad Nassau a.d. Lahn, Saalfeld a.d. Saale, Magdeburg, Segeberg, Spandau, Hagen in W., Rittergut Schleisdorf bei Lunzenau, Elbinggerde, Klein-Zschadivik, Altenburg, Amsterdam.

1903 starb Georg Oltmanns und die Witwe heiratete ein zweites Mal, und zwar den Neffen von Georg, Joh. Diedr. Oltmanns (geb. 1878) vom Schnapp. 1906 bauten sie das Haus um und vergrößerten Gastwirtschaft und Handel. Hierbei legten sie sich wohl auch eine Viehwaage zu, die bis etwa 1963 von Bauern vor dem Verkauf ihres Viehs genutzt werden konnte. Eine Viehwaage gab es im Dorf früher auch bei Heinemann.

1950 wurde der Handel an Martha Oltmanns abgegeben, die auf dem benachbarten Land neben der alten Hobbieoltmanns Stelle dann einen Gemischtwarenhandel hatte und diesen bis 1990 betrieb. 1962 wurde die Gastwirtschaft aufgegeben und ein neues Haus gebaut. 1963 erbte der Sohn Fritz Oltmanns aus der zweiten Ehe und 1990 Johanna Oltmanns. Das Gebäude der alten Gastwirtschaft, welches 1797 und 1846 neu- oder umgebaut wurde, steht heute noch.

Der Volksmund hat aus dem langen Namen Oltmanns und vielleicht früher (Hobbie-)Oltmanns den Namen Olms gemacht. In Verbindung mit dem Krug wurde daraus Olms Kröger.

Urkundenband der Familie Oltmanns in Hollwege


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