Hollwege - Geschichte eines Eschdorfes im Ammerland

Hollwegerfeld

Köterei Hupens, Zu den Wiesen 13, Hollwegerfeld

Allgemeine Beschreibung

Zur Entstehung von Hollwegerfeld

Zweite Besiedlungsphase zur Zeit der Gemeinheitsteilungen

Hof- und Hausstellen in Hollwegerfeld


Allgemeine Beschreibung

Hollwegerfeld ist ein kleines niedersächsisches Dorf in der Gemeinde Westerstede, Landkreis Ammerland in der Nähe von Oldenburg. Es hat über 120 Einwohner und ist noch überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Das Dorf entstand im Laufe der Zeit aus dem Nachbardorf Hollwege heraus. Angefangen im 17. Jahrhundert mit ein bis zwei Höfen entstanden besonders im 19. Jahrhundert viele Hofstellen nach der Teilung der sogenannten Gemeinheit, die früher zum gemeinsamen Auftreiben des Viehs der Hollweger Bauern diente. Noch heute gehört Hollwegerfeld zur Hollweger Bauerschaft.


Zur Entstehung von Hollwegerfeld

Ähnlich wie bei den Nachbardörfern Moorburg und Felde handelt es sich bei Hollwegerfeld um ein reines Köterdorf, dessen Höfe verstreut bei den Ländereien bzw. Wegen lagen. Hollwegerfeld wurde als solches jedoch im größeren Umfang erst wesentlich später besiedelt, insbesondere nach den Gemeinheitsteilungen. Einige Höfe und insbesondere zwei Einzelhöfe entstanden hingegen schon vorher, auch wenn dieses Gebiet ähnlich wie Felde anfänglich unter Hollwege lief und noch heute zur Bauerschaft Hollwege gehört. Die Hollweger Bauern hatten schon vorzeiten im Gebiet des heutigen Hollwegerfeldes einige Feldkämpe, die am Weg nach Moorburg lagen, etwa dort, wo die heutige Straße Am Schnapp auf die Straße Zu den Wiesen trifft.

Bei diesen Feldkämpen gab es spätestens 1661/81 den ersten Hof, und zwar die Grundheuerstelle des Johann Vahrs, aus der Hollweger Köterfamilie Vahrs. Dieser besaß dort ein eigenes Haus, dieses stand aber auf Ötcke Blessen Grund, und so mußte er an jenen Grundheuer entrichten. 1639 heiratete ein Johan Vahrs von Hollwege eine Hille Pa[d]eken, 1642 war er Heuermann, 1648 bei Warners und 1679/81 spätestens auf Bleßen Grund. 1693 war Diedrich Hellmers auf Johan Vahrs Haus, und so ließ sich die Familie Helmers auf dieser Stelle weiter verfolgen, 1869 kaufte Heinrich Hupens die Stelle, die noch heute im Besitz der gleichen Familie ist. Schon 1671 kann es mit Friedrich Hellmerß vielleicht eine weitere Hofstelle dort gegeben haben. Deren Existenz läßt sich jedoch zwischen 1681 und 1741 nicht sicher nachweisen. Spätestens seit 1741 gab es aber mit Hellmers (später Kempermann, 1923 Süsens) eine weitere Köterei dort. Etwa 20 Jahre später siedelte sich der Hof von Johann Spasit an (später Sitten und seit 1910 Hupens).


Zweite Besiedlungsphase zur Zeit der Gemeinheitsteilungen

Nach den Gemeinheitsteilungen von 1822 und 42 wurden die Flächen in Richtung der Ihorster Wiesen, auch Hollwegerfeld genannt, besiedelt. Teile der bisherigen Gemeinheit blieben zur Ausweisung an Neusiedler in Besitz des Herzogtums Oldenburg. Interessenten für dieses Land, meist abgehende Bauersöhne, Heuerleute aus der näheren Umgebung, stellten ein Gesuch an das Amt Westerstede, und anschließend folgte eine Besichtigung des gewünschten Stück Landes an Ort und Stelle. Zeitweise kam auch der Bauervogt mit zur Besichtigung, sowie benachbarte Grundstückseigentümer und bisherige Nutzer, die ebenso ihre Interessen vertraten. Teilweise stand auf der gewünschten Fläche noch Buchweizen oder nicht abgegrabener Torf. Hier mußte der Interessent meist solange warten, bis dieses abgebaut war. Den Antragstellern, oft arm und unbemittelt, wurde trotzdem die Ansiedlung gestattet. Beim Heuermann und Holzschuhmacher Joh. Diedr. Siems hieß es z.B.: "...ist nicht eben bemittelt. Indessen gibt ihm sein Handwerk als Holzschuhmacher gute Nahrung. Zum Hausbau wird er [der Amtmann] daher wohl rathen können". Anschließend schickte das Amt einen Bericht an die Kammer in Oldenburg, die die Ausweisung genehmigen mußte. Geschah diese, mußten einige Regeln befolgt werden, die aus der folgenden Einweisungsurkunde hervorgehen:

Certificat

Zur Großherzoglich Oldenburgischen Cammer des Herzogthums Oldenburg Verordnete erklären hiedurch, daß Wir dem Heuermann Joh. Diedr. Siems zu Hollwege aus der getheilten Hollweger Gemeinheit einen Placken von nicht völlig Zwei Jück, wie solche in dem hiebei abschriftlich angefügten Amtsprotocolle vom 25 October dieses Jahres näher angegeben und bezeichnet ist, zum Anbau und zur Cultur unter folgenden Bedingungen bewilligt haben:

§.1. Der genannte Joh. Diedr. Siems erhält diese ihm vom Amte Westerstede gehörig einzuweisenden Placken zum Eigenthum und bildet derselbe eine geschlossene Stelle, von welcher ohne vorgängigen Consens der Cammer nichts veräußert werden darf.

§.2. Bis zum Ablaufe des auf die Ausweisung folgenden Jahres ist in dem Placken ein ordentliches Wohnhaus zu erbauen und bis zum Ablauf des zweiten Jahres derselbe vollständig zu befriedigen, wobei die in beider Hinsicht vom Amte etwa zu ertheilenden Vorschriften genau zu befolgen sind. Werden die Fristen nicht eingehalten, so fällt der Placken zur Disposition der Cammer zurück.

§.3. In Betreff der Wege, Wasserzüge, Brücken, Höhlen und sonstigen gemeinnützigen Einrichtungen und deren Instandsetzung und Unterhaltung müssen die vom Amte oder sonst deshalb oberlich gemachten resp. noch vorzuschreibenden Bestimmungen genau befolgt werden und ist zu solchen Einrichtungen nach der zu treffenden Anordnung mit Gelde oder Arbeit zu concurriren.

§.4. Alle Abgaben und Lasten, welche auf diese neue Stelle nach der von der Cammer zu bestimmenden registerlichen Qualität und nach der Größe und Bonität des Landes gelegt werden, sind nach Ablauf von zehn Freijahren, vom Anfang des auf die Einweisung folgenden Jahres angerechnet, gehörig zu entrichten und abzuhalten.

§.5. Es gehört diese neue Stelle -vorbehältlich etwaiger anderweiter Bestimmung- zur Bauerschaft Hollwege des Kirchspiels Westerstede.

§.6. Eine freiwillige Veräußerung des Plackens darf innerhalb der nächsten vier Jahre, vom Anfange des auf die Einweisung folgenden Jahres angerechnet, gar nicht und nach Ablauf dieses Zeitraums nur dann Statt finden, wenn derselbe mit einem Hause bebaut und zum größten Theile cultiviert ist.

Dessen zu Urkund ist dieses Einweisungs-Certificat dreifach ausgefertigt, unter jeder Ausfertigung vom Amte Westerstede die geschehene Ausweisung und wie die Grenzen des Plackens bezeichnet sind, zu attestiren und soll dann die eine derselben dem Neubauer Joh. Died. Siems übergeben werden.

Oldenburg, aus der Cammer, 1848 November 14.

Die ausgewiesenen Flächen waren mit 2-3 Jück ziemlich klein und bestanden aus Sand, zum Teil abgegrabenen Torfmoor. Meist kamen nach einigen Jahren einige Zuschußplacken, die die Stelle vergrößerten, hinzu.

In welch erbärmlichen Zustand sich vereinzelt die Behausungen der Neusiedler befanden, mag folgendes zeigen. Ein älterer Bekannter von Carl Baasen erzählte diesem von einer Kate in der Hollweger Heide zur Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts:

"Er beschrieb mir davon eine, die bei Hollwege auf einer Fläche Heide, die jetzt gutes Ackerland bildet, ihren Platz hatte. Sie war ziemlich tief in den Boden eingelassen. Die Wände bestanden auch aus Heideplaggen, und das Dach war aus dünnen, rohen Baumstämmen zusammengefügt und mit Heide gedeckt. In der Vorderwand befand sich eine gebrechliche Tür und in der Hinterwand ein kleines Fenster, das den Innenraum der Hütte nur spärlich erhellte. In der Kate wohnte der Besitzer mit seiner Familie, auch waren darin die wenigen Haustiere, nämlich eine Ziege, ein Schwein und ein Hund untergebracht. Vor langen Jahren war der Familie von dem Besitzer der Heide gestattet worden, sich dort anzusiedeln, die Heide habe für ihn ja doch keinen Wert."

Diese Ansiedlung war somit jedoch nicht staatlich genehmigt, sondern nur von dem Besitzer der Heidefläche geduldet. Wie schwierig die Verhältnisse am Anfang waren, zeigt sich auch durch die Konkurse oder Verkäufe einiger Ansiedlerstellen in kurzen Zeitabständen. Mit dem späteren Aufkommen des sogenannten Kunstdüngers konnten auch diese Hofstellen leichter bewirtschaftet werden.

Im folgenden noch eine Höfeliste der Ansiedler in Hollwegerfeld vor und nach den Gemeinheitsteilungen mit Besitzerfolge bis heute:


Hof- und Hausstellen in Hollwegerfeld

Hofstellen im Gebiet der Feldkämpe, vor den Gemeinheitsteilungen

1.) [1626 Helmerich Flinken (+), Schwester Talke Helmrichs erbt, noch ledig, Köterei sehr schlecht, 1635 Helmerich Flinke Schwester Talke, 1644 Diederich Hellmerß, 1645 Hellmerich Flincke (Dienstgeldregister), 1646 vermacht Talke Helmeriks ihrem Ehemann Didtrich die Köterei nach ihrem Tode sein Leben lang, womit Didtrich Bleßen einverstanden ist, die Erbnachfolge bleibt ungeklärt], 1661/64 Friederich Flincke jetzt (durchgestrichen:) Johan Vahrs (darunter) Ötje Blessen, 1679 Joh. Vahrs, 1681 Joh. Vahrs, Grundheuermann, Stelle gehört Otke Bleßen, 1693 Dirck Hellmerß, jetzt Sievecke in Joh. Vahrs Haus auf Ötcke Bleßen Grund, 1730 Sieveke, 1739 Dierck, 1763 J., 1808 J.D., 1833 Renke, 1848 Talke Helene Hellmers vh. Eilert D. Eilers, 1869 Kauf Heinr. Hupens, 1930 J.F., 1948 J. Fritz, 1999 Fritz Hupens (Zu den Wiesen 13)

2.) [1671-81 Frerich Helmers (kl. Haus), 1730 Frerich Hellmers], 1741 Hofstelle zu Abgaben angesetzt, (1741/1800) Frerich Helmers, 1819 Gerd D., 1825 J.F. Hellmers, 1849 durch Kauf im Konkurse J. Siems, 1869 Anna Sophie Siems vh. J. Kempermann, 1906 J.F. Kempermann, 1917 Anna Sophie Kempermann, 1926 Wilh. Süsens Ehefrau Anna geb. Kempermann, 1999 Herta Hupens (Hollwegerfelder Str. 5)

3.) (1761) Joh., 1769 Gerd Spasit, 1836 der Enkel J. Sitten, 1873 J.G. Sitten, 1910 G.D. Hupens, 1914 Georg, 1967 Georg Oeltjendiers, 1995 Helga und Walter Bauer (Zu den Wiesen 11)

Weitere Hofstellen auf ehemaligen Gemeinheitsflächen bis etwa 1900

1.) 1843 G.D. Hupens, 1878 D., 1894 G.D., 1968 Georg Hupens (Zu den Wiesen 26)

2.) 1844 (1848) Friedrich Siems, 1859 durch Kauf Gerd D. Hobbie, 1871 durch Kauf im Konkurse J.D., E.F., Heinr. und Chr. Georg Oltmanns, 1872 durch Erbvergleich J.D. Oltmanns, 1899 durch Kauf J F. Hobbensiefken, 1918 D. Hobbensiefken, 1920 Witwe Johanne geb. Güldener, 1956 Georg Junker, 1970 Herbert Junker (Heideweg 2)

3.) 1847/51 J.D. Ohlrogge, 1868 durch öffentlichen gerichtl. Kauf Eilert Oltmanns, 1870 dessen Kinder, 1872 E.F. Oltmanns durch Erbvergleich, 1873 durch Kauf J.F. Brunken, 1899 Weert Weers Görtenmaker Ehefrau Anna geb. Brunken, 1902 D. Lanje und H. Eduard Wettermann, 1903 Carl J. Hesse u. Ehefrau Jantje geb. Holtkamp, 1903 J.D. Hohn u. Karl J. Hesse Ehefrau Jantje geb. Holtkamp zu je ½, 1907 die letztere allein durch Kauf, 1915 Fritz Wallrichs und Lambert Grimm, 1919 Johanne Reiners geb. Caspers, 1946 Gerd J. Reiners (Hollwegerfelder Str. 47, Ihorst)

Hofstelle Siems um 1912, Hollwegerfelder Str. 13

4.) 1848/50 J.D. Siems, 1896 J.F. Siems, 1936 J.H. Quathamer, 1957 Enno Puls (Hollwegerfelder Str. 13)

5.) 1848/51 Fr. Albrecht Bellenius, 1852 J.F., 1854 die Frau Anna Marg. Gertjejanßen, Witwe Anna geb. Hinrichs als Nießbräucherin, 1857 letztere als Erbin, 1883 G.D. Wilken, 1898 F. W. Hoting, 1899 J.D. Hienen, 1913 Anna Helene Hienen, 1926 Fr. Bruns Ehefrau Anna Helene geb. Hienen, 1999 Fr. Bruns (Hollwegerfelder Str. 20)

6.) 1848/55 Frerich Siems, 1874 J. Hollander, 1874 Fr. Gerdes, 1879 J.F., 1888 Gerd D., 1944 Joh. Gerdes (Heideweg 1)

7.) 1851/53 J.F. Wilken, 1872 J.F. Oeltjen, 1873 Herm. Feyen, 1900 Gesche Helene Lanje geb. Feyen, 1907 Joh. Siefke Siefken, 1912 H. Oetjengerdes, 1959 Fr. Hagens, 1966 Annemarie Korysiak geb. Hagens (Hollwegerfelder Str. 10)

8.) 1856/57 J.F Hobbensiefken, 1926 Fr. , 1999 Heinz Hobbensiefken (Hollwegerfelder Str. 21)

9.) 1893 J.D. Stindt, 1909 J.D. Stindt, 1959 Joh., 1999 Erich Abel (Hollwegerfelder Str. 39)

1846 wandten sich Interessenten der restlichen Hollweger Hausleutegemeinheit gegen weitere Ausweisungen aus dem verbliebenen Überschuß, da einige von ihnen (Köter im Gebiet der Feldkämpe) diese weiterhin als Hornviehweide nutzen wollten. Sonst würden sie in große Not geraten und ihr Vieh weggeben müssen, zumal in diesem kleinen Bezirk schon zwei Schaftriften ausgeübt wurden. Nach den Brandkassenregistern errichtete der Hausmann Hinrich Köster (Hofstelle Brunken) zur Zeit der Gemeinheitsteilungen 1843 einen Schaafkoven in Hollwegerfeld, der zunächst mit 60 Rt. versichert war. 1845 berichtete der Moorburger Köter Meinenjohanns von 100 bzw. 200 alten Schafen des Anbauers Buhr aus Ihorst und des Hollweger Hausmanns Köster zu Hollwege, die neben Hornvieh, mit Erlaubnis des Amtes auf den übergebliebenen Gemeinheitsflächen weideten.

Flurnamen in Hollwegerfeld:

Bült, Bleek, Am Scholthorn, Pulvertoorn, Hogen Kamp, Schaapkamp, Ossenkamp, Veehdrift, Amtmannswisk, Wullwisk, Voßwisk und Vagelpool

Vagelpool erhielt seinen Namen von einem vergangenen Gewässer, das wilden Enten sowie anderen Wasser- und Sumpfvögeln als Aufenthalt diente.